Welt 24.01.2026
14:30 Uhr

„Embrace the penguin“ – Hohn und Spott für Weißes Haus wegen KI-generiertem Grönland-Bild


Mit einem KI-generierten Bild in sozialen Netzwerken nimmt das Weiße Haus erneut Bezug auf Grönland. Dabei unterläuft den Verantwortlichen augenscheinlich ein grober Fehler. Der Spott lässt nicht lange auf sich warten. Möglicherweise war aber auch genau das der Plan.

„Embrace the penguin“ – Hohn und Spott für Weißes Haus wegen KI-generiertem Grönland-Bild

Die Grönland-Krise scheint nach einer möglichen Einigung zwischen US-Präsident Donald Trump und Nato-Generalsekretär Mark Rutte fürs Erste ausgestanden. Online zumindest lässt die US-Regierung aber weiterhin mit ihrem vermeintlichen Anspruch auf die Arktis-Insel kokettieren. So teilte das Weiße Haus am Freitagabend auf seinem X-Account ein entweder per KI oder Bildbearbeitungsprogramm generiertes Bild, das Trump von hinten in einer Eislandschaft zeigt. Neben ihm spaziert ein Pinguin, der eine US-amerikanische Flagge in der Flosse hält. Den Spuren im Schnee nach zu urteilen laufen beide in Richtung einer Grönland-Flagge, die in der Ferne aufgestellt ist. Dazu schreibt das Weiße Haus: Embrace the penguin, was sich schwer wörtlich ins Deutsche übersetzen lässt, aber so viel heißt wie ‚identifiziere dich mit dem Pinguin‘, ‚nimm deinen (inneren) Pinguin an‘. Die Botschaft dahinter offenbar: Washington will die Insel weiterhin in seinen Besitz bringen. Fauxpas oder geschickter PR-Gag? Das Fakten-Problem mit dem Posting: Pinguine gibt es auf Grönland nicht. Sie leben auf der Südhalbkugel, vornehmlich in der Antarktis, von Grönland aus gesehen also am anderen Ende der Welt. Zahlreiche X-Nutzer ließen es sich deshalb nicht nehmen, der Trump-Regierung den vermeintlichen Fauxpas genüsslich einzureiben. Einer schrieb: „In Grönland gibt es keine Pinguine, ihr Trottel“, ein anderer stellte fest, das sei wohl der Grund, warum Europäer sich fragten, „ob Bildung in Amerika illegal ist“. Rasmus Jarlov, der Vorsitzende des dänischen Verteidigungsausschusses, teilte das Bild mit der spöttischen Bemerkung, Trump gehöre so sehr zu Grönland wie Pinguine – mit anderen Worten also: gar nicht. Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Fritz Felgentreu kommentierte (verlinkt auf https://x.com/fritzfelgentreu/status/2014999729373847789) , das Bild zeige wohl „zwei invasive Arten“ auf dem Weg an einen Ort, an den sie nicht gehörten. Allerdings könnte es sich auch schlicht um einen geschickten PR-Coup des Weißen Hauses handeln. Bereits seit Tagen geht ein Ausschnitt aus einer Doku von Filmemacher Werner Herzog viral. In dem Video aus Herzogs Dokumentation „Begegnungen am Ende der Welt“ von 2007 ist ein Pinguin zu sehen, der nicht mit seinen anderen Artgenossen in Richtung Wasser watschelt, sondern lieber alleine in Richtung der weit entfernten Berge zieht. Der Filmemacher kann sich das Verhalten des Pinguins nicht erklären. „But why?“, aber warum, fragt Herzog eindringlich in dem Ausschnitt. Möglicherweise sprang das Weiße Haus also lediglich auf den Internet-Trend auf und wollte darauf anspielen, dass der US-Präsident – analog zu dem Pinguin in der Doku – Dinge tut, die niemand von ihm erwartet. Trump hatte in den vergangenen Wochen mit seinem wiederholt vorgetragenen Anspruch auf Grönland eine Krise innerhalb der Nato ausgelöst. Der US-Präsident hatte betont, die Insel den USA notfalls mit Gewalt einverleiben zu wollen. Grönland ist ein autonomes Gebiet, das aber zu Dänemark gehört, das wiederum sowohl in der EU als auch in der Nato Mitglied ist. Am Mittwoch erklärte Trump dann in Davos, er wolle auf Gewalt ebenso verzichten wie auf zuvor angekündigte Strafzölle gegen Deutschland und andere Staaten, die kurzfristig Soldaten nach Grönland geschickt hatten.